Infotreffen: Bau einer Klettermöglichkeit in Kiel

Am 13. September 2017, 19:00-21:00h Waldorfschule (zur normalen Kletterzeit)

 

Wanderfahrt nach Lechleiten

vom 30. August bis 8. September 2016

Lechleiten die Zweite – so hatte Helga Palm diese Wanderfahrt benannt, denn schon 2014 hatte sie eine Wanderwoche dort geführt. Basisstandort ist wieder das Berggasthaus Alpenrose, eine Busstation vom Ort Lech entfernt auf einer Höhe von 1.500 m. Als Voraussetzung für die Teilnahme war angekündigt worden: Trittsicherheit und eine gute Kondition für Wanderungen von ca. 5 Std. Gehzeit und bis 1.000 m Auf-/Abstieg. Am späten Abend erreichten wir per Bahn Reutte. Von dort wurden wir mit dem Hotelbus abgeholt.

 

Mittwoch, 31. August – RUND UM DEN GRÜNER

 

Sonne! Unser Weg zum Eingewöhnen führt uns über Stock und Stein, abwechslungsreich für Füße, Beine und Kopf. Herrlich das Wieder-Eintauchen in die grüne Berglandschaft, friedlich das Geläut der grasenden Kühe. 350 Hm sind leicht zu bewältigen. Wir wandern am Schrofenpass (1.687m) vorbei, haben einen Blick auf die Mindelheimer Hütte und schließlich den Biberkopf, den wir sozusagen als unseren „Hausberg“ kennen (aber auch dieses Mal nicht erobern werden – 2.599 m). Unsere Augen freuen sich auch an dem, was klein am Boden wächst– wir erinnern uns: Augentrost, Herzblatt, Eisenhut, Schusternagel … Und wenn wir die Namen vergessen hatten, Helga fragen, sie kennt sie alle! Zeitweilig laufen wir als Grenzgänger auf deutschem und dann wieder auf österreichischem Boden; Grenzsteine zeigen es an. Um 14 Uhr sind wir bereits zurück im Hotel. Uns erwartet KAISERSCHMARRN! Großartig.

 

Donnerstag, 1. September –LECHWEG TEIL 1

 

Von Warth mit dem öffentlichen Wanderbus zum Formarinsee. Von dort wollen wir wandern. Wir befinden uns im Lechquellgebiet. Zwei Bäche vereinigen sich: Der Formarinbach aus dem natürlichen Formarinsee und der Spullerbach aus dem Spullersee (Stausee) fließen in 1.550 m Höhe zusammen und werden zum Lech. Der Tag beginnt dunstig feucht. Unser Weg führt über glatte Steine und überwiegend direkt am Fluß entlang. Aber schon bald scheint die Sonne. Das glitzernde Wasser lädt Susanne zu einem Kurzbad in einem GUMPEN ein. Das Wort bezeichnet einen „beckenartigen Strudeltopf“. Nach drei Stunden erreichen wir das „Älpele“ zu einer Jause. Und dann stellten wir fest: Auch in den Alpen wird um Sommertouristen „der anderen Art“ geworben. Ein großer Golfplatz war neu angelegt worden und gab dem dadurch unterbrochenen Wanderweg eine andere Richtung. So brauchten wir noch eine weitere Stunde bis nach Zug zur Busstation Richtung Lech. Unsere digital gut ausgerüsteten Mitwanderer geben nach dem Abendessen Folgendes zur Kenntnis: gewandert 9,9 km, davon 121 Hm bergauf und 633 Hm bergab.

 

Freitag, 2. September – Geführte Wanderung ALPENROSENSTEIG IN BACH

 

Fredy, unser Koch des Familienbetriebs, führt diese Tour südseitig des Lechtals. Von Bach geht’s aufwärts mit der Jöchelspitzbahn (Sessellift). Bilderbuchwetter! Auch für Paraglider, die sich vogelgleich von den Aufwinden tragen lassen – „über den Wolken …“ , aber so hoch sind wir denn doch nicht; 1.768 m zeigte das Schild an der Bahn. Wir benutzen in bewährter Weise unsere Füße zur Fortbewegung und zwar weiter bergauf über den Lachenkopf (1.945 m). Das Bergheumuseum auf unserem Weg gewährt einen Blick in das frühere Leben der Bergbauern. Der Alpenrosensteig – wie herrlich muß er in Blüte aussehen! – führt über 300 Hm talwärts, über eine längere Strecke steil glitschig!! Unsere noch nicht so recht eingewöhnten Flachland-Beine haben damit zu tun, aber Fredy sieht, wo eine hilfreiche Hand notwendig wird. Unser nächstes Ziel, die Bernhardseckhütte, liegt 1.802 m hoch. Hier locken Germknödel und andere Leckereien! Danach geht‘s dann endgültig talwärts 1 ½ Std. an einem Südhang und zwar konsequent steil – Knietraining! An diesen Hängen werden die Wiesen nicht mehr gemäht; der schwere Arbeitsaufwand lohnt nicht mehr. Damit geht eine Verarmung der Flora einher. Dominante Pflanzen bedrängen die Vielfalt. Am Abend konnten wir die „Daten“ der Wanderung von unseren „Spezialisten“ zur Kenntnis nehmen: 9,7 km, 359 Hm aufwärts, 900 Hm abwärts, 3,16 Std in Bewegung, 5 Std. 46 min. Gesamtzeit. Sind wir Erbsenzähler? Beeindruckend das Höhenprofil im Abwärtsbereich vor Augen zu haben! Zufrieden konnten wir auch feststellen, was die Natur uns unterwegs so „nebenbei“ geboten hatte: einen kreisenden Adler, einen Bussard, ein durchs Gebüsch huschendes Birkhuhn und pfeifende Murmel.

 

Samstag, 3. September, RUND UMS KARHORN (2.418 m)

 

Wunderbar leicht schweben wir wiederum bei bestem Wetter mit Steffis Alp Express himmelwärts, naja, nicht ganz, nur bis zur Höhe von 1.884m. Dann allerdings wird’s ganz „irdisch“ – eine riesige Baustelle müssen wir durchlaufen, gewaltige Erdbewegungen, riesige Maschinen, abgezäunte Wege. Aber danach wird es wieder schön. Immer leicht bergan in sattem Grün, Gebirgszüge zu beiden Seiten. Über Spitziger Stein und Hochalphütte (1.950 m) zum Saloberkopf (2.043 m), Blick auf den Widderstein.

Über den Salobersattel (1.794 m) erreichen wir die Auenfelder Hütte (1.774 m): Einkehr. Gestärkt können wir danach die landschaftlich sehr reizvolle Weite des Auenfelds genießen. Die ineinander fließenden unterschiedlichen Grüntöne der seichten Matten, das flirrende Braun der feuchten Moose unter der Nachmittagssonne – kein Fotoapparat gibt wider, was das Auge im Kopf zusammen mit der Empfindung dieses Eindrucks mit nach Hause nehmen wird. Unsere letzte Teilstrecke heute erweist sich wieder als ein steiler Abstieg (ca. 300 Hm).

Ein einsam am Weg stehendes Haus fällt auf – WANG-HUS – sagt uns ein Schild, ein Museum also, jetzt allerdings verschlossen. Das Internet klärt später auf, dass sich hier beginnend Ende des 15. Jahrhunderts Walser Bauern (aus der Schweiz) angesiedelt hatten, wie auch in anderen Teilen Tirols. Aber auch im Lechtal war die Armut der Bergbauern durch die geringen Bodenerträge groß. Sogar Kinder zogen den Sommer über ins Ausland, vornehmlich ins Schwabenland, um den Rest der Familie ernähren zu helfen, die sogenannten Schwabenkinder. Auf „Kindermärkten“ wurden sie als Saison-Arbeitskräfte an Bauern vermittelt. Wenn sie den beschwerlichen Rückweg im Oktober über die Alpen antraten, trugen sie im Gepäck ihren Sklaven-Lohn, lediglich einen doppelten Satz Kleidung und je nach Alter und den ausgehandelten Preis vielleicht ein paar Gulden dazu. Erst 1915 wurden die Kindermärkte abgeschafft, nachdem in Württemberg auch für ausländische Kinder die Schulpflicht eingeführt wurde.

 

Sonntag, 4. September, ÜBER DEN MOHNENSATTEL zum Butzensee und zur Kriegeralpe

 

Start von Lech mit der Schlegelkopfbahn wieder auf eine Höhe von gut 1.800 m. Bedeckter Himmel und kalter Wind. Das schmälert die Freude am Wandern natürlich nicht. Helga macht uns aufmerksam auf große „Löcher“ – Gipslöcher, sprich DOLINEN, im durch Niederschlag ausgewaschenen Gestein.

Vom Mohnensattel (2.315 m) schauen wir auf den Butzensee, der knapp 200 m unterhalb liegt wie ein blaues Auge. Tatsächlich sehen wir Schwimmer darin! Aber – die jungen Männer tragen bei näherem Hinsehen Neopren-Anzüge, na dann … Wir suchen eine windgeschützte Stelle und rasten am See. Moderat führt der Weg weiter bergab zur Kriegeralpe. Diese herrliche Tour bekommt nach dem Abendmenü folgende „Zahlenmarke“: 600 Hm rauf, 635 Hm runter – Gesamtlänge 11,3 km.

 

Montag, 5. September, HOLZGAU und die HÄNGEBRÜCKE

 

Nachdem die Nacht zum Sonntag uns noch mit zauberhaftem Sternenhimmel begeistert hatte, brachte diese Nacht Schnee bis auf 2.000 m runter. Aber auch das sieht faszinierend aus. Wie mit dem Rasiermesser gezogen läuft die Schneefallgrenze an den Bergen entlang. Für uns bedeutet das Regenwetterplanung. Mit dem Bus von Lechleiten bis Holzgau – aber wir brauchen kein Regenzeug. Dort angekommen, scheint schon wieder die Sonne! Die uns immer wieder von unseren Wirtsleuten ans Herz gelegte Hängebrücke, die längste Österreichs, sieht beeindruckend aus, wahrhaftig! Und nicht nur das. Für mich, die Schreiberin, auch beängstigend. Ich weiß, das wird haarig für mich. Also durchatmen, nur geradeaus schauen, Hand am Geländer, wissen, dass nichts passieren kann, und los. Aber nach kurzem geht’s nicht weiter. Ein merkwürdiger Zustand, mir aber bekannt. Ein netter Mann bemerkt es, hakt mich unter und langsam, langsam geht es dann doch! Ein Engel im rechten Moment! Drüben erleichtert angekommen, heißt es dann „Auf dieser Seite können wir nicht weiter, zu matschig.“ Also noch einmal rüber. Dieses Mal hilft Werner. Und dann wird alles wieder ganz wunderbar bei einem herrlichen Stück Torte in einem netten Cafe-Garten in Holzgau! Ohne Herzklopfen jetzt die Daten der Brücke: gebaut 2011, Länge 200,51 m, Höhe 105 m, Breite 1,20 m, Kapazität 630 Personen. Wirklich beeindruckend. Aber notwendig? Wohl eher eine Attraktion für Touristen.

Gestärkt also durch Kaffee und Kuchen geht’s gemütlich am Lech entlang bis Steeg. Wir haben die dortige Käserei im Blick. Leider wird heuer direkt nebenan gebaut. Der Höllenlärm läßt uns schleunigst die nahe Bushaltestelle aufsuchen. Auf der Hotelterrasse können wir uns mit Bier, Wein, Kaffee, Eis und vielleicht einem Buch die Zeit vertreiben bis zum Abendessen! Was für ein Tag!

 

Dienstag, 6. September, LECHWEG 3 – „Über 7 Brücken mußt du geh’n…“

 

Und mit dabei ist auch eine Hängebrücke, aber eine kleine! Ohne Anfahrt gehen wir über Gehren und den Krummbach immer oberhalb des Lech, mal linksseitig, mal rechts. Durch den Schnee bzw. Regen fließt mehr Wasser strudelnd und glucksend über Steine, durch enge Biegungen, über Aufgestautes. Einfach schön!

Die Bodenalpe, unser Ziel, ist überraschenderweise geschlossen. Der Bus bringt uns nach Lech. Ein nettes Cafe haben wir ja noch immer gefunden. Außerdem bietet sich hier die Möglichkeit, den guten Marillengeist zu kaufen – für Zuhause. Abends ist dann Grillen angesagt. Fredy tut sein Bestes. Und wir haben trotz des Kuchens unterwegs guten Appetit. Immerhin sind wir 10 km getippelt, 400 Hm rauf und 300 Hm runter. Der Abend klingt aus mit Musik. Fredy kann auch noch Harmonika spielen und singen.

 

Mittwoch, 7. September, RAUF AUF'S WARTHER HORN

 

An unserem letzten Wandertag soll es noch mal richtig losgehen. Fredy führt diese Tour. Sonne! Schwer zu beschreiben, was das Auge wahrnimmt – kontrastreich Licht und Schatten, intensiv die Farben und Formen unter dem Mittagslicht! Im Sessellift schweben wir hinein in diese Schönheit - und fangen dann bald an zu schwitzen im stetigen Bergan. Gut so. Ich fühle, dass ich lebe – kleines Geschöpf in der erhabenen Schöpfung! Eine Schülergruppe überholt uns locker und leicht, springend, Kinder, die hier zuhause und das Bergwandern gewöhnt sind. Später hören wir ihr Lachen, sie tummeln sich in einem restlichen Schneefeld. Uns ist etwas Besonderes vergönnt: An einem Geröllhang bewegt sich ein Steinbock; er läßt sich Zeit, sodass wir ihn ausgiebig durchs Fernglas betrachten können.

Die letzte Wegstrecke bringt noch mal Spannung. Sie führt in einer Rinne durch das Felsgestein, ist aber durch ein Halteseil auch für Kurzbeinige leicht zu bewältigen. Und dann sind wir oben am Gipfelkreuz. Weit können wir schauen. Wie ein spitziges Meer die Bergzüge rundum! Tief blau erscheinen die Gipfelketten am 360°-Horizont. Wie gut, dass wir viel Zeit haben, dieses Erlebnis auszukosten.

Nach unserem Picknick und – endlich mal – einem Gipfelschnaps mögen wir uns kaum zum Abstieg entschließen.

 

Aber schön ist es auch, zufrieden talwärts zu wandern. 747 Hm liegen vor uns.

Helga findet noch eine Besonderheit, die sie schon länger gesucht hat und wofür man ein besonderes Auge braucht, denn es wächst winzig zwischen anderen Gräsern, das Lebendgebärende Rispengras. Der Name sagt es, diese Pflanze entwickelt der kurzen Vegetationsphase wegen keine Samen, sondern fertige kleine Pflänzchen, die dann, wenn’s gut geht, irgendwo im Boden Fuß fassen. Faszinierend. Auf dem letzten Ende bietet sich die Punschhütte für eine Jause an, natürlich ohne Punsch. Erfüllt von dem Erlebten erreichen wir unser Hotel. Fredy muß sich sputen, um nun wieder seiner Aufgabe als Koch nachzukommen.

 

Donnerstag, 8. September – Heimreise

Wie anders doch fühlt sich eine Hinreise an! Aber „alles hat seine Zeit“ – dieser Satz fordert Akzeptanz, und positiv ist zu erwähnen, dass auch die Rückfahrt problemlos ohne Verspätungen verlief.

Text: Dörte Vieth
Photos: Silke Seemann