Infotreffen: Bau einer Klettermöglichkeit in Kiel

Am 13. September 2017, 19:00-21:00h Waldorfschule (zur normalen Kletterzeit)

 

Wanderfahrt ins Biosphärenreservat Südost-Rügen (19. - 23.09.2010)

Sonntag, 19.09.2010 - Anreise

Wir starten in Kiel gegen 7 Uhr mit eigenen PKWs in Fahrgemeinschaften. Wer die Insel erreicht hat und über Gaarz fährt, begegnet im anschließenden Wald vielleicht Gestalten aus dem Märchen „Rattenkönig Birlibi“ von Ernst Moritz Arndt. Außerdem fällt in Putbus der Kreisel mit den Prachtbauten aus der Zeit von Fürst Malte I ins Auge. Mit dem Durchfahren des Mönchgut-Tors erreichen wir Baabe und damit das Mönchgut. Diese Halbinsel („Dat Mönke Guth“) war zum Teil seit 1252, vollständig von 1360 bis 1535 im Besitz des Klosters Eldena bei Greifswald.
Wenige Kilometer weiter erreichen wir glücklich unser Hotel  „Zum Lobbster“ in Lobbe [www.lobbster.de]. Von bereits vorher eingetroffenen Mitwanderern werden wir herzlich empfangen.
 

Sonntag, 19. September 2010, Göhren - Sellin

Es bleibt nur wenig Zeit für eine kurze Eingewöhnung, dann geht es gleich in eng befüllten Autos zur ersten Wanderung nach Göhren. Welch eine Überraschung: hier begegnen uns nicht ganz zufällig Monika und Fritz. Gemeinsam wandern wir bei wunderbarem Frühherbstwetter weiter nach Norden. Mal auf der Promenade, mal am Strand. Der Uferweg führt nun landeinwärts. Deshalb trennen sich die Wege von „Strandläufern“ und „Pflastertretern“. Einzelne Sandfreunde genießen sogar ein Fußbad. In Sellin, auf der vielleicht schönsten aller Seebrücken, treffen wir uns dann alle wieder. Dietrich stellt hier nachdenklich fest, dass er auf dieser Reise keine Verantwortung trägt! Jetzt ruht alle Last auf Wolfgangs verlässlichen Schultern. 
  

Bald darauf entdecken wir in einiger Entfernung eine Ansammlung von Arbeitsschiffen. Diese Flotte ist damit beschäftigt, im Auftrag der Nord Stream AG, die Gaspipeline von Wyborg in Russland nach Lubmin bei Greifswald zu verlegen. Auf eine Reise unter die Wasseroberfläche mit einer Tauchgondel können wir alle verzichten, aberder nostalgische Fahrstuhl vom Strand auf die Hochebene wird als äußerst nützlich angesehen. Im vornehmen Haus, gleich an der Strandtreppe lassen wir uns mit Kaffee und Kuchen verwöhnen. Danach gibt es die Möglichkeit, noch ein paar Höhenmeter zu sammeln oder, durch Sellin bummelnd, die prächtigen Häuser mit Bäderarchitektur auf sich einwirken zu lassen. Später treffen sich alle wieder am Bahnhof Sellin-Ost. Hier gelingt es uns trotz vielfältiger Möglichkeiten und teils gemeinschaftlicher – teils gegensätzlicher Anstrengungen nicht, den „Rasenden Roland“ zu verpassen. Der Lokführer und sein leise schnaufendes Dampfross warten geduldig, bis auch der Letzte von uns einen Wagen erreicht und die Hürde des Aufstiegs meistert. Mit der rasanten Geschwindigkeit von teilweise mehr als 30 km/h (geschätzt) bringt dieses „Kulturerbe“ uns nach Göhren und zu unseren Autos. Die Restparkzeit beträgt gerade noch eine Minute. Unsere nette und zuvorkommende Wirtin, Frau Westphal, begrüßt uns dann zum ersten leckeren Abendessen. 

 

Montag, 20. September 2010, Nordperd, Jagdschloss Granitz

Mit 6 Autos geht es nach Göhren. Unsere Wanderung führt uns zunächst südwärts zum 60 m hohen Nordperd. Warum heißt es Nordperd? Karls Begründung lautet: weil es auch ein Südperd gibt. Aus der im Hotelzimmer ausliegenden Informationsschrift entnehmen wir: das slawische Wort Perd oder Peerd bedeutet Haupt, Höft oder Vorsprung. Kolkraben begleiten uns mit ihren Rufen durch Buchenwald. Immer wieder gibt es herrliche Ausblicke auf die heute ruhige Ostsee und mehr oder minder entfernte Küsten. Wir überqueren den Höhenzug und sind fast wieder in Lobbe. Vorbei am Museum für Fischerei und Seefahrt biegen wir ab in Richtung Jagdschloss Granitz. Auf der Höhe von Göhren entschließen sich einige aus der Gruppe, den Weg mit Hilfe des Zuges fortzusetzen und fahren bis zum Haltepunkt Jagdschloss.
 

Während der Stärkung im Gewölbekeller des ab 1837 erbauten Rennomierbaues ruft die Hauptgruppe, inzwischen an einem nicht überspringbaren Hindernis angekommen, nach dem Fährmann. Dieser erscheint mit einem Ruderboot, um auf regennassen Bänken mit 2 waghalsig scheinenden Überfahrten das Weiterkommen nach Moritzdorf und somit eine Einkehr zu ermöglichen. Die Aussichtsplattform auf dem Hauptturm ist über eine frei hängende Wendeltreppe mit gusseisernen Stufen bei abwechselnder Verkehrsregelung zu erreichen. Hier bietet sich uns ei erwartet trüber aber dennoch lohnender Ausblick. Ein geplantes Zusammentreffen der beiden Gruppen auf dem Jagdschloss klappt leider nicht. So fahren die Gruppen getrennt mit dem „Rasenden Roland“ nach Göhren und mit PKWs nach Lobbe. Nach dem Abendessen lädtKarl alle zu einem nachträglichenGeburtstagsumtrunk im Gemein­schaftsraum ein.
 

 

Dienstag, 21. September 2010, Zickersche Berge

Bei leichtem Nieselregen fahren wir mit 7 Autos nach Groß Zicker. Schon beim Anblick der

kleinen Dorfkirche schlägt das Herz ein wenig höher. Auch das Wetter scheint sich darüber zu freuen und zeigt sogleich ein freundlicheres Antlitz. Nach wenigen Schritten durch das verzaubernde Dorf wandern wir gemächlich, uns immer wieder umschauend, in Richtung Bankenberg. Mit 66 m über NN präsentiert sich dieser offensichtlich mit Stolz und gibt uns einen Blick auf die umgebende Traumlandschaft frei, die manche von uns, diedas Mönchgut schon besucht haben, nicht erwarten. Es ist die Weite zwischen den Hügeln, es sind die sanften Täler, die von Pflanzen einer Trockenrasengemeinschaft besiedelt sind, es ist immer wieder der Blick auf Bodden oder offene Ostsee mit weißen Schaumkronen, am jenseitigen Ufer eine kleine Siedlung, die uns den Eindruck von einem Paradies vermitteln. Und das alles bei nunmehr herrlichem Sonnenschein und frischem Wind. Später begegnen uns auch Wildbirnen (Pyrus pyraster). Dann kommen Schafe in Sicht, die hier die Landschaftspflege übernommen haben. Bald erreichen wir den zweiten großen Hügel dieser Halbinsel, den ebenfalls mit 66 m angegebenen Zickerschen Berg.An der Wasseroberfläche ist zu erkennen, dass der Wind inzwischen auf 7 Beaufort (steifer Wind) angewachsen ist.
 

Zur Mittagseinkehr führt uns der Weg in Kaiser's Gaststuben. Hier werden wir freundlich und gut bedient. Danach besuchen wir das Pfarrwitwenhaus, eines der besterhaltenen niederdeutschen Hallenhäuser Rügens. Diente es einst sozialen Zwecken, ist es jetzt Heimatmuseum. Den Rest des Tages haben wir zur freien Verfügung. Hier laden Karl und Helga zur Teilnahme an einer botanischen Exkursion ein. Es geht um die  Trockenrasenvegetation.
 

Wir gehen über einen Bereich, den wir zuvor schon betreten haben, jetzt aber mit anderen Augen sehen und Pflanzen bemerken, die wir zuvor vollkommen unbeachtet ließen. Wir lernen woran es erkennbar ist, dass nur eine geringe Anzahl Schafe kurze Zeit auf diesem Bereich graste: die Pflanzen zeigen nicht allzu umfangreiche Verbissspuren. Dennoch wird die gesamte Fläche vor Verwilderung bewahrt. Bei extremer Beweidung wäre Pflanzenvielfalt und damit das ganze Landschaftsbild gefährdet. Der höher gelegene Bereich ist von Eselsdiesteln (Onopordum arcanthium) vereinnahmt. Es finden sich sowohl junge Pflanzen, die im nächsten Sommer blühen werden als auch zum Teilmehr als 2 m hohe abgestorbene Altpflanzen. Ein kleiner Gespensterwald! Für uns eine sehr beeindruckende Führung! Zur Kaffeeeinkehr fährt eine kleine Gruppe nach Thiessow. Dieser Name ist auf die slawische Bezeichnung für Eibenort zurückzuführen. Im Strandcafe treffen wir überraschenderweise andere kleine Gruppen unserer Mitwanderer.

 

 

Mittwoch, 22. September 2010, Stubbenkammer-Rundweg

Bei herrlichem Sommerwetter geht es mit allen Autos in Richtung Parklatz Hagen. Einige steigen vorher aus, um sich ca. 6 km Weg über den Trenzer Berg zu ersparen. Eine Einkehr in der Waldhalle bringt unsere Kräfte wieder zurück.
Die von Caspar David Friedrich eindrucksvoll dargestellten Wissower Klinken sind 2005 bedauerlicherweise abgestürzt. Der Ort, an dem sie aufragten ist heute kaum noch zu erkennen. Der Hochuferweg führt uns bergauf und bergab immer durch Buchenwald vorbei an herrlichen Aussichtspunkten und über tief eingegrabene Wasserläufe.
 

Der Kieler Bach hat eine tiefe Schlucht  in die Kreide gewaschen. Am anderen Ufer treffen wir die vorausgeeilte Gruppe. Eine Treppe führt über das Hindernis hinweg und ermöglicht zugleich einen Abstieg zum Strand. Hier gibt Karl eine Führung über Feuersteine, Hühnergötter und die Entstehung der Kreideablagerungen. Wir alle sind gefordert, zu unserm und der Haustiere Schutz einen Hühnergott zu suchen. Der russische  Schriftsteller  J. A.  Jewtuschenko berichtet in seinem Buch „Der Hühnergott“ über die Krim-Tataren und deren Umgang mit diesen Lochsteinen.
 

Weiter führt unser Weg zur Viktoria-Sicht und zum Blick auf den Königsstuhl. Dann geht es 3 km durch Wald, vorbei an der Herthaburg, einem slawischen Ringwall, zu unseren Fahrzeugen auf dem Parkplatz Hagen und dann zu unserem letzten feinen Abendbuffet. Natürlich haben Inga und Reimer nicht vergessen, unsere Organisatoren und Reiseführer Wolfgang, Heide und Karl mit kleinen Geschenken, vorwiegend von Sanddornerzeugnissen und lobenden Fersen zu bedenken.
Wir anderen schließen uns Reimers Worten mit großem Beifall an.
  

 

Donnerstag, 23. September 2010, Stralsund und Heimfahrt

Nach einem letzten tollen Frühstück heißt es Abschied nehmen von der schönen Insel. Wir fahren nach Stralsund und treffen unseren Stadtführer, Herrn Michael Hartwig vor dem Rathaus. Das Thema unserer Führung ist das UNESCO-Weltkulturerbe. 2002 wurde die historische Altstadt von Stralsund dazu erklärt. Wir lernen, dass donnerstags die Ratsversammlung tagt und deshalb am Rathaus der Hansestadt die Flaggen von Stralsund, Vorpommern und Deutschland gehisst werden. Wir finden uns auf dem roten Teppich wieder, der regenfest aus roten Pflastersteinen besteht. Neben dem Rathaus ragen die unterschiedlichen Türme der Nicolaikirche in den Himmel. Wie alle Stralsunder Kirchen ist sie als norddeutsche Backsteingotik ausgeführt. Aufgrund ihrer Ausstattung wird sie auch „Die Prächtigste“ genannt. In der Ferne sehen wir die Marienkirche („Die Mächtigste“) und vernehmen, dass die Jacobikirche auch „Die Schmächtigste“ der Stralsunder Hauptkirchen bezeichnet wird.
 

In den Durchgängen des Rathauses hören wir die Geschichte der Stadt, von Belagerungen und vom Schwedenkönig Gustav Adolf, der als Retter im 30-jährigen Krieg seine starke Verhandlungsposition gegenüber dem Rat der Stadt gut zu nutzen wusste. So kam es, dass die Stadt am Strelasund lange Zeit Bestandteil des schwedischen Königreiches war. Ein paar Häuser weiter befindet sich das Fischgeschäft Rasmus. Von Otto von Bismarck erhielt ein Vorfahr des jetzigen Eigentümers die Erlaubnis, sein Erzeugnis, entgrätete, enthäutete, gesalzene und gesäuerte Ostsee-Heringe als „Bismarckhering“ zu vermarkten. Somit dürfen alle nicht von ihm gelieferten sauren Heringe bestenfalls als „Heringe Bismarck-Art“ bezeichnet werden.
 

In der Fährstraße entdecken wir eine Tafel, aus der hervorgeht, dass hier der preußische Freiheitskämpfer Ferdinand von Schill beim Kampf gegen Napoleons Truppen 1809 den Tod fand. Schließlich erfahren wir dass die 1944 stark zerstörte Altstadt, die in der Nachkriegszeit weiter verfallen ist, mit Hilfe der EU in den letzten Jahren umfassend restauriert wurde. So sind inzwischen etwa 90 % der Gebäude wieder hergestellt. Die meisten Eigentümer der restlichen Ruinen sind zurzeit nicht bereit, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und können nur bei Einsturzgefahr zum Handeln gezwungen werden. Wir bedanken uns bei Herrn Hartwig, der uns kompetent informiert hat und auf alle unsere Fragen eingegangen ist. Gestärkt mit Speis und Trank verlassen wir den Hansekeller und treten im Bewusstsein: „Rügen und Stralsund sind immer eine Reise wert!“ die Heimfahrt an.

Schlussbemerkung

Der Sage nach soll Gott nach der Erschaffung der Welt einen Klumpen Erde ins Meer geworfen haben. Daraus geboren wurde Deutschlands größte und wohl auch schönste Insel.

Auf unserer Wanderfahrt hat alles gestimmt: Die Vorbereitung ebenso wie die die Durchführung, Unterkunft und Beköstigung ließen keine Wünsche offen. Nur die Zeit war zu knapp. Da gibt es keine Ausreden, wir fahren wieder hin.

Bericht und Fotos:   Jürgen Holtorff