Infotreffen: Bau einer Klettermöglichkeit in Kiel

Am 13. September 2017, 19:00-21:00h Waldorfschule (zur normalen Kletterzeit)

 

Reif für die Insel

Warum immer die Alpen? - haben sich acht Mitglieder der Bergwandergruppe gedacht und sind im September für zwei Wochen nach Mallorca geflogen. Denn auch dort kann man schöne, eindrucksvolle und abwechslungsreiche Wanderungen machen.

Um den Bericht nicht zu lang werden zu lassen, soll hier nur eine Auswahl dieser Wanderungen beschrieben werden.

In Port de Soller, einem idyllischen Hafenstädtchen an der Westküste der Insel, haben wir uns in ein Hotel einquartiert. Der Ort hat neben seiner zentralen Lage im Gebirgszug der Tramuntana auch den Charme direkt an der Küste zu liegen, sodass man nach den Wanderungen noch am Strand liegen und schwimmen gehen kann.

Je nach Lust und Laune bzw. körperlicher Tagesverfassung sind wir in Gruppen unterschiedlicher Zusammensetzung zu unseren zahlreichen Wanderungen aufgebrochen. An einigen Tagen haben sich Susanne, Kay und Harry im wahrsten Sinne des Wortes „abgeseilt“ und haben statt zu wandern einen Abstecher in einige der mallorquinischen Klettergebiete gemacht.

Küstenwanderung nach Cala Tuent

Diese Tour ist zum Einwandern gut geeignet, da sie nicht so anstrengend ist.

Unser Ausgangspunkt ist der Mirador de ses Barques (400m), ein kleines Stück nördlich von Port de Soller und mit dem Auto sehr bequem zu erreichen. Schon nach kurzer Zeit durchqueren wir einen Olivenhain mit uralten, knorrig verwachsenen Bäumen, an denen ich mich gar nicht satt sehen kann. Die erste Rast machen wir bei einer alten Finca, bei der wir frisch gepressten Orangensaft im schattigen Garten trinken – Herrlich!

Weiter geht es über einen Pass (Col de Biniamar, 365m). Der Weg windet sich an der Küste entlang bis nach Cala Tuent und bietet immer wieder atemberaubende Blicke auf schroffe Felsformationen und das türkisblaue Wasser. Am Wegrand wachsen überall Rosmarinbüsche, die einen tollen Duft verströmen. Am Strand von Cala Tuent stärken wir uns in einem Restaurant mit Kaffee und Kuchen. Es ist ein Hochgenuss hier im Schatten einer riesigen Pinie zu sitzen und die schöne Wanderung Revue passieren zu lassen. Anschließend springen wir in die Fluten und  entspannen uns noch etwas am Strand bis unser Schiff anlegt mit dem wir zurückfahren. Wir hatten die Karten schon morgens vor unserer Wanderung gekauft um sicher zu sein auch wirklich mitgenommen zu werden. Diese Bootsfahrt ist äußerst lohnend, denn man sieht die 'erwanderte' Strecke mit ihren schönen Felsen nochmals aus einer anderen Perspektive.

Über die Halbinsel Alcudia

Unser Tag beginnt mit der Besichtigung von Alcudia, einem kleinen Städtchen mit dicken Stadtmauern und engen Gassen. Von dort aus fahren wir zur Ermita de la Victoria und starten unsere Wanderung zur Talaia d'Alcudia (431m). Vom Gipfel hat man eine phantastische Sicht sowohl auf die Bucht von Pollenca mit der Halbinsel Formentor dahinter, als auch auf die Bucht von Alcudia. Über einen kargen Bergrücken geht es hinab zum Col Baix (120m). Schon während des Abstiegs sehen wir eine kleine, einsame, türkisfarbene Badebucht. Unseren Plan in ihr zu baden geben wir jedoch auf, da sich schon dunkle Wolken über uns zusammen brauen. Nach einiger Zeit führt uns der Weg an ein kiesiges Flussbett und dann an diesem entlang. Er verengt sich zu einem schmalen Pfad, der mal links und dann wieder rechts vom Trockenbett verläuft. Die Landschaft ist regelrecht bezaubernd. An einem Platz, dessen Gesteinsformationen an ein römisches Amphitheater erinnern, machen wir kurz Rast und essen die süßen Feigen, die wir auf dem Markt von Alcudia gekauft haben.

Am Col de ses Fontanelles (164 m) öffnet der Himmel seine Schleusen und es beginnt in Strömen zu regnen. Binnen kurzem verwandelt sich unser Pfad in ein kleines Bächlein und unsere Wanderstiefel füllen sich mit Wasser.

Nochmal eröffnet sich ein geradezu mystischer Blick auf die Bucht von Pollenca. Die Silhouette  der Halbinsel Formentor und davor ganz weiße, feenhafte Wolken.

Als wir völlig durchnässt am Parkplatz ankommen, scheint wieder die Sonne ...

Durchquerung des Torrent de Pareis

Die Wanderung durch den Torrent de Pareis ist eines, wenn nicht sogar das Highlight an der Westküste der Insel. Sie sollte nur in länger anhaltenden Perioden mit gutem Wetter gemacht werden, da die oft über glatte Steine führenden Passagen bei Feuchtigkeit sonst schnell zu einem waghalsigen Unternehmen werden können.

Die Wettervorhersage für den Samstag verspricht optimale Bedingungen und so beschließen wir, am nächsten Morgen ganz früh aufzubrechen, um möglichst lange von der sengenden Sonne verschont zu bleiben

Der Einstieg in die Schlucht beginnt direkt beim Restaurant Escorca in der Nähe vom Kloster Lluc. Hier wartet schon eine deutsch sprechende Rangerin auf uns, die uns erklärt, dass das gesamte Gebiet des Torrent unter Naturschutz steht. Aus diesem Grund dürfen dort keine Wegmarkierungen angebracht werden. Dann zeigt sie uns noch drei Fotos von Schlüsselstellen, an denen wir abbiegen müssen. Das erste zeigt einen Steinhaufen, an den wir nach 15 Minuten gelangen und dort links abbiegen sollen. Wir kommen aber schon nach 7 Minuten an einen Steinhaufen und keiner kann wirklich sagen, ob es der vom Foto ist. Also gehen wir mal weiter geradeaus. Der Weg wird immer steiler, die Stimmung immer schlechter, wir müssen schließlich  kraxeln und befinden das es reicht. Es ist so ganz anders als in unserem Wanderführer beschrieben. Da bleibt nur eins –  zurück auf Los. Der von uns verschmähte Steinhaufen war doch die richtige Wegmarkierung.

Auf einem schmalen Pfad, der stellenweise mit Dissgras zugewachsen ist, steigen wir in Serpentinen ca. eine Stunde zum Grund des Torrent hinunter. Die Felsformationen von den beiden anderen gezeigten Fotos erkennen wir mühelos, so dass wir bald zum Eingang der Schlucht gelangen.

Links und rechts von uns erheben sich fast senkrecht die Steilwände. Im ausgetrockneten Flussbett liegen wild verstreut riesige Felsblöcke, ab und zu trifft man auf ausgewaschene Strudeltöpfe, in denen zum Teil noch etwas Wasser steht. Die nächsten Stunden sind wir damit beschäftigt wie kleine Ameisen unseren Weg durch diese bizarren Felsformationen zu suchen. Es macht ungeheuer viel Spaß durch schmale Spalten zu kriechen oder auf dem Hosenboden die ausgewaschenen Steine hinunter zu rutschen. Dabei kann es durchaus passieren, dass man sich durch eine enge Stelle hindurch arbeitet nur um festzustellen, dass der Weg hier nicht weiterführt.

Im Laufe der Wanderung kommen wir an eine ca. fünf Meter hohe Stelle, die vor uns eine Frau ganz mutig hinunterrutscht. Wir hängen lieber unser mitgebrachtes Seil in einen in den Fels gebohrten Haken ein und seilen uns ganz gemütlich ab. Unten angekommen sehen wir alte Blutspuren die zeigen, dass es nicht ganz ungefährlich ist hier runter zu rutschen.

Der Weg ist ungeheuer abwechslungsreich. Die Schlucht wird mal bedrohlich eng, mal öffnet sie sich und man läuft über Kies. Zum Teil klammern sich kleine Bäumchen an die steil aufragenden Felswände. Wir passieren eine Höhle mit dicken Tropfsteinen.

Unter einem letzten großen Felsblock, der den weiteren Weg völlig zu versperren scheint, hindurch, gelangen wir über ein breites Kiesbett an den Strand von Sa Calobra. In dieser schmalen Bucht  drängen sich die Sonnenhungrigen wie Pinguine in ihrer Kolonie. Sollen wir dort baden? Egal. Wir sind so verschwitzt, dass wir uns ins kristallklare Wasser gleiten lassen.

Mit dem Bus geht es auf einer steilen, sehr engen und kurvenreichen Bergstraße (absolut lohnend) zurück zum Parkplatz.

Die "Sonntagswanderung" um den Puig Roig

Diese Wanderung ist nur an Sonntagen möglich, da sie zu Beginn über den Privatgrund der Finca Mossa führt und der Weg an allen anderen Tagen der Woche gesperrt ist. So brechen wir am Eingangstor zur besagten Finca in fast voller Gruppenstärke auf. Kay und Erika versetzen noch die Autos, damit wir später nicht alle an der Landstraße entlang wandern müssen. Zunächst geht es den Zufahrtsweg hinunter, vorbei an abgeernteten Feldern und den nun schon gewohnten Olivenbäumen. Links vom Hauptgebäude passieren wir ein weiteres Tor und steigen auf einem zunächst schwer auszumachenden Weg hinauf zum Coll des Ases (627m). Von nun an verläuft die Wanderung für lange Zeit nur auf schmalen von Dissgras überwucherten Saumpfaden in Richtung Küste, deren Anblick wir bei einer ausgiebigen Pause genießen. Dann geht es weiter auf unserem Pfad. Zu unserer Linken erhebt sich das Massiv des Puig Roig während das Gelände auf der Rechten steil zum Meer hinunter abfällt. Nach einer Weile kehren wir der Küste den Rücken, denn der Weg führt uns zurück ins Landesinnere. Dort wird unser Blick bald angezogen von der Finca des Cosconar (520m), die im Wesentlichen aus einer durch eine Mauer verschlossenen Höhle besteht. Nun geht es auf Schotterwegen hinab in eine Talebene, durch Haine und vorbei an Feigenbäumen, deren Fürchte spontan zu einem Imbiss animieren – so macht wandern Spaß. Einziger Wermutstropfen an der Sache ist, dass sich der Himmel langsam aber sicher immer weiter zuzieht und so steigen wir die Serpentinen zum Kloster Lluc schließlich im Regen hinauf. Hier kehren wir noch auf ein Tässchen Kaffee ein, bevor sich unsere Fahrer auf den Weg machen um die Autos zu holen. Auf der Rückfahrt überrascht uns der Himmel dann, indem er seine Schleusen so richtig öffnet, mit Regen, Blitzschlag, Hagelkörner von beeindruckender Größe und Sichtverhältnissen, die uns neben allen anderen Autofahrern dazu zwingen, das Schlimmste erst einmal abzuwarten. Vielen Dank an die Scheiben unserer Autos, die das ausgehalten haben ohne kaputt zu gehen. Und vielen Dank auch für unsere Entscheidung, den Torrent de Pareis am Vortag durchwandert zu haben. Das wäre nach dem Wassereinbruch mit Sicherheit nicht mehr möglich gewesen.

Die Reitwege des Erzherzogs Ludwig Salvator

Diese Tour sollte man nur bei gutem Wetter machen, weil sie von den fantastischen Fernblicken lebt. Für die Gratwanderung sollte man schwindelfrei sein und dort auf keinen Fall bei Nebel gehen.

Wir starten in Valdemossa. Bei unserem Aufstieg auf gewundenen Wegen genießen wir den Schatten der  Olivenbäume und Steineichen. Nach ca. einer Stunde erreichen wir den Mirador de Can Costa (750m). An dieser exponierten Stelle ließ der österreichische Erzherzog einen mit einer Zinnenmauer gesicherten Aussichtsplatz anlegen. Von hier fällt das Hochplateau fast 400m senkrecht ab. Die Aussicht ist fantastisch.

Wir steigen weiter durch einen dichten Steineichenwald zum Gipfel der Talaia Vella (868m) auf, wo die Ruine der herzoglichen Schutzhütte steht. Der überwältigende Blick auf das Meer, die Küste und das Gebirge dahinter lässt uns ganz still werden und einfach nur genießen.

Nach einiger Zeit erreichen wir die steile Felswand des Caragoli. Wir gehen direkt an der Abbruchkante der Wand entlang und halten immer wieder an, um die Landschaft auf uns wirken zu lassen. Nun gelangen wir an einen Wegabschnitt , an dem es nicht nur wie bisher links steil abfällt, sondern auch auf der anderen Seite tief hinunter geht. Wenn man nicht schwindelfrei ist, kann es einem an dieser Stelle schon mulmig werden, aber der Weg ist hier recht breit. Siehe Foto.

Schon bald machen wir noch einen kurzen Abstecher auf den Gipfel des Caragoli (945m).

Wir entdecken drei Mönchsgeier, die mit ihrer enormen Spannweite elegant in den warmen Aufwinden segeln.

An einem Aussichtspunkt beim Puig Gros genießen wir einen letzten Blick auf das Meer und wandern bis zum Refugi des Cairats weiter. Ab hier beginnt ein breiter, steiler Fahrweg, der uns zurück nach Valdemossa führt.

Klettern auf Mallorca

Schon Wochen vor der Reise habe ich an manchem Abend zu Hause auf dem Sofa gesessen und glücklich im Kletterführer herum geblättert wie ein kleiner Junge in seinem Bilderbuch. Dementsprechend war die Erwartung – und sie wurde erfüllt.

Zum Einklettern verbringen wir einen Tag in S'estret, einem kleinen Gebiet direkt an der PM-111 zwischen Palma und Valldemossa gelegen. Die Felsen sind bequem in zehn Minuten zu Fuß zu erreichen und bieten Routen im mittleren Schwierigkeitsgrad in schönem, griffigem Gestein. Hier stößt noch Svenja aus Kiel zu uns, die gerade auch Urlaub auf Mallorca macht.

Weiterhin verbringen wir zwei Tage in Sa Gubia, dem wohl größten Klettergebiet auf der Insel. Es liegt dicht an der Landstraße zwischen Palma und Soller und ist zu Fuß in etwa vierzig Minuten zu erreichen. Hierbei muss man jedoch lange Teile des Weges durch ein zugewuchertes Bachbett laufen. Die Auswahl der Routen in den mittleren Schwierigkeitsgraden ist hier deutlich größer. Und was das Beste ist – zum Teil sind sie lang, so richtig lang und das macht richtig Spaß.

Abschließend zieht es uns, auch aufgrund einer Empfehlung von Peter und Petra aus der Klettergruppe der Sektion, in den Osten der Insel zur Cala Magraner. Die Klettermöglichkeiten in dieser Bucht sind so abwechslungsreich, dass man eigentlich eine ganze Woche dort verbringen kann. Der Reiz dort besteht darin, dass einige Routen direkt vom Strand aus losgehen und über dem Wasser verlaufen. Hat man keine Lust mehr, tauscht man einfach den Klettergurt gegen die Badehose und geht schwimmen – was wir dann auch gern gemacht haben.

Fazit: In den Klettergebieten von Mallorca ist für so ziemlich jeden Anspruch etwas dabei. Die Routen verlaufen größtenteils in gut griffigem und nicht stark abgenutztem Kalkgestein an Löchern und Leisten. Bedenken sollte man, dass viele Gebiete in süd – oder südwestlicher Ausrichtung liegen, sodass es bei Sonne sehr warm werden kann.

Die Absicherung der Routen erfolgt eigentlich ausschließlich mit den schon vorhandenen Bohrhaken, sodass man die mobilen Sicherungen zuhause lassen kann. Der ein oder andere Haken ist zwar von eher zweifelhafter Qualität, jedoch sind die Abstände zwischen den einzelnen Haken so gering, dass ich mir nie wirklich Gedanken gemacht habe.

Einige schöne Projekte haben wir machen können, andere sind offen geblieben oder einfach neu hinzu gekommen. Und so hoffe ich, dass wir bald die Gelegenheit zu einem weiteren Besuch auf der Insel bekommen.

Bleibt noch, uns bei Almut und Erika zu bedanken, die die Idee zu dieser Reise hatten und einen großen Teil der Organisation übernommen haben.

 

Text: Regine Steinbach u. Harry Fehlau