Infotreffen: Bau einer Klettermöglichkeit in Kiel

Am 13. September 2017, 19:00-21:00h Waldorfschule (zur normalen Kletterzeit)

 

Bericht der Sektion Hamburg über den Wegebau 2008

Verwall, bisher weitgehend unbekannt. Es ist schon erstaunlich: In einer Gebirgsgruppe mit etwa 500 km² und etwa 100 Gipfeln, darunter mehreren Dreitausendern, steht kein einziger Modeberg. Und diese Gruppe versteckt sich nicht im hintersten Alpenwinkel, sondern liegt zwischen dem Arlberg und dem Silvretta-Stausee, in Tirol und Vorarlberg, und ist bestens zu erreichen. Man findet dort viele Alpenvereinshütten und ein Wegenetz, mit dem alle Teile der Gruppe erschlossen sind. Die Schönheit der Landschaft mit schwarzen Felsbergen und wilden Bergformen, die Vielfältigkeit von Flora und Fauna sowie die gute Erreichbarkeit genügten in der Vergangenheit nicht aus, um diese Gruppe einem breiten Kreis von Bergsteigern nahe zu bringen.

Die Sektionen, die im Verwall-Gebiet Hütten unterhalten, haben sich im letzten Jahr entschlossen, das Bergwandern in diesem Gebiet populärer zu machen, dazu wurde die „Verwall-Runde“ kreiert. Auch die Sektion Hamburg und Niederelbe mit der Niederelbehütte ist beteiligt.

Intakte Höhenwege sind unerlässlich!

Man braucht nicht nur ein schickes Faltblatt, auf dem die „Verwall-Runde“ angepriesen wird, sondern muss auch dafür sorgen, dass diese Runde von den Bergwanderern angenommen wird. Dazu gehört, dass die Hütten umweltverträglich ausgerichtet sind, was z.B. für die Niederelbehütte mit dem DAV-Umweltsiegel erreicht worden ist. Dazu gehört auch, dass die Höhenwege zwischen den Hütten intakt sind. Die Übergänge sollen durchaus ihren hochalpinen Charakter behalten, das Gefahren-Potenzial soll jedoch minimiert werden und die Bergwanderer sollen motiviert werden, auf den Wegen zu bleiben. Damit kann erreicht werden, dass der Naturzustand in der unmittelbaren Umgebung des Wanderweges erhalten oder wieder hergestellt wird. Eine Sektion hat nach den Alpenvereinsregeln in ihrem „Arbeitsgebiet“ für die Pflege der Wege Sorge zu tragen. In der Verwall-Gruppe betrifft das für unsere Sektion insbesondere die Pflege des Höhenwegs zwischen Niederelbehütte und Edmund-Graf-Hütte, den so genannten Kieler Weg, bis zum Schmalzgrubenjoch. „Work & Climb“, 1. Versuch hat geklappt Freiwillige für einen Arbeitseinsatz in den Alpen zu finden, ist für alpenferne Sektionen schwierig. Deshalb hat die Sektion eine spezielle Formder Motivation gewählt, die z.B. in der Schweiz schon erprobt ist:

5 Tage Wegebau mit Standort Niederelbehütte, anschließend 3 Tage bergsteigen in den Alpen. Für diesen Aufenthalt trägt die Sektion die Unterhaltskosten für die Teilnehmer. Dieser Aufruf hat bei unserer Jugend große Resonanz gefunden. Fünfzehn Plätze waren schnell vergeben. Am 27. Juli ging die Fahrt von Hamburg los, der Wegebau erfolgte vom 29.07. bis zum 02.08. Anschließend fuhr der Großteil der Gruppe zum Klettern nach Göschenen in der Schweiz. Der Sektion Kiel, die bei der Kieler Hütte schon Erfahrungen im Wegebau gesammelt hat, gebührt unser besonderer Dank: Andreas Töpperwien von der Sektion Kiel, hat unsere Jugendgruppe vorbildlich angeleitet und auch für den reibungslosen technischen Ablauf dieser Woche gesorgt.

Anstrengende Arbeitstage

Der Arbeitstag begann morgens um halb acht. Um die Reparaturstellen am Weg zu erreichen, waren bis zu zwei Stunden des Anmarsches erforderlich! Die Werkzeuge, z.B. Spitzhacken, mussten mitgetragen werden. An den Wegen wurde so lange gearbeitet, dass man zwischen vier und fünf Uhr wieder bei der Hütte eintraf. Konkret wurden folgende Wegebau-Arbeiten vorgenommen:

In Abflusskanäle wurden für das Wasser gegraben, um vernässte Bereiche des Weges trocken zu legen. So wird das Begehren der Bergwanderer, neue wilde Umgehungswege anzulegen, zurückgedrängt.

Durch die Erosion haben sich teilweise zu hohe Stufen im Weg gebildet. Hier mussten Zwischenstufen geschaffen werden, indem neue Stufen durch Zwischensteine gelegt wurden.

Wenn sich mehrere kleine Parallel-Wege gebildet haben, da z.B. der Originalweg durch das Wasser zu tief geworden ist, mussten die Nebenwege, evtl. sogar der Originalweg, durch größere Steine unbrauchbar gemacht werden, damit nur noch ein Weg benutzt wird.

An einigen Stellen mussten am Rand des Weges Gras-Soden herausgenommen werden, um den Weg passierbar zu halten. Diese Soden wurden zu den Nebenwegen gebracht, die nicht mehr genutzt werden sollen. Dadurch wird hier die Vegetationsentwicklung unterstützt.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Teilnehmer nach der täglichen Arbeit rechtschaffen müde waren und sich nach dem Abendessen recht früh zum Schlafen in die Lager begaben. Einige Teilnehmer hatten den Alpenverein bisher nur durch ihre Jugendgruppe und die Kletteranlage in Lokstedt kennen gelernt. Dieser Arbeitseinsatz war für sie der erste Aufenthalt in den Alpen. Der Autor hat diesen Arbeitseinsatz für drei Tage beobachtet und möchte den Teilnehmern ein großes Lob aussprechen. In diesen fünf Tagen ist vieles an notwendigen Arbeiten geschafft worden.

Die Organisation – auch in einzelnen Arbeitsgruppen – klappte ausgezeichnet und hat den Teilnehmern wohl auch viel Spaß gebracht.

Dieser Arbeitsaufenthalt war ein Beitrag zu erfolgreicher Jugendarbeit, mit dem der Naturzustand um die Bergwege erhalten und verbessert wird. Diese Unternehmung sollte uns ermutigen, die Arbeit in den nächsten Jahren in ähnlicher Weise fortzusetzen.

Michael Wolter
(Naturschutzreferent der Sektion Hamburg)