Infotreffen: Bau einer Klettermöglichkeit in Kiel

Am 13. September 2017, 19:00-21:00h Waldorfschule (zur normalen Kletterzeit)

 

Rund ums Rätikon

Nenzinger Himmel - Pfälzer Hütte

In Nenzing treffe ich die anderen, die direkt aus Kiel angereist sind. Dieses Jahr sind Almut, Erika, Manfred sowie Angelika und Uwe dabei. Der (vorgebuchte) Wanderbus bringt uns das eindrucksvolle Gamperdona Tal, welches für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, hinauf zum Nenzinger Himmel. Hier gibt es nur noch einige Almen sowie Touristen und Wanderer. Von hier aus beginnen wir unseren Aufstieg zur Hütte. Da es sehr heiß ist, tun wir uns besonders schwer. Wir sind froh um jeden Schatten und genießen den Teil des Weges, der durch ein Waldstück führt. Als wir diesen verlassen und einen steilen Anstieg im südlichen Hang hoch müssen wird es brutal heiß. Nur langsam kommen wir höher und können dann die Hütte sehen. Weiter oben dürfen wir am Hang entlang queren, was schon fast eine Wohltat ist. Hier oben sind wir mitten in den Almwiesen, die derzeit kräftigst blühen. Ob des langen kalten Wetters im blühen jetzt noch Frühblüher und auch die Sommerblumen. Es ist eine wahre Pracht, egal wohin das Auge blickt.

Am späten Nachmittag sind wir dann endlich angekommen – zuerst Socken und Stiefel trocknen, Wäsche waschen, Lager beziehen und dann Zeit zum Genießen! Nur hoppla, was macht das Wetter? Wo kommen mit einmal die grauen Wolken her? Da heißt es noch schnell Schuhe und Wäsche retten und schon bricht ein heftiges Unwetter los. Wir sind froh, auf der Hütte unser Abendessen genießen zu können.

Spät abends haben wir durch die kleinen Dachfenster draußen noch einen Regenbogen entdeckt, kurz bevor die Sonne untergeht. Es ist ein tolles Schauspiel vor einer grandiosen Bergkulisse.

Pfälzer Hütte - Schesaplanahütte

Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder schön. Neben unserer Tagesetappe wollen wir noch den Naafkopf besteigen. Nach einem Stück Weg deponieren wir unsere Rucksäcke und gehen die restliche Stunde ohne Last. Bei den morgendlichen Temperaturen ist das Steigen sehr angenehm. Am Gipfel können wir weit in fast alle Richtung schauen, leider sind schon wieder viele Wolken am Himmel, sonst wäre die Aussicht sicherlich grandios. Es ist ein Drei-Länder-Gipfel: mit Umrunden des Gipfelkreuzes war man in Österreich, der Schweiz und Lichtenstein. Nun müssen wir aber wieder runter, es liegt doch noch ein ganzes Stück Weg bis zur nächsten Hütte vor uns.

Almut, die nicht mit auf den Naafkopf gegangen ist, ist uns schon ein ganzes Stück voraus. Wir müssen den Talschluß hier oben in einem weiten Bogen, aber ohne viel auf und ab auslaufen und können dabei die Aussicht genießen, allerdings nur noch zu einer Seite. Das Tal wird hier auf einer Höhe von ca. 2.300 m Höhe schon karger; aber immer noch gibt es im karstigen Untergrund viele grüne Stellen und auch Blühendes, aber auch noch die letzten Schneefelder. Von Almut ist weit und breit nichts zu sehen. Wir beschließen, trotzdem erst einmal Pause zu machen, schließlich sind wir schon eine Weile unterwegs. Das Wetter sieht schon wieder nicht mehr so schön aus. Zum Glück entdecken wir auf unserem Weiterweg Almut vor uns, holen sie aber erst am Hochjoch ein. Von hier haben wir wieder einen Fernblick zur Schweizer Seite. Auch die nächste Hütte kann man von hier aus sehen, aber es ist noch ein ganzes Stück. Der Weg führt angenehm stetig aber nicht steil bergab und die quellenden Wolken bleiben irgendwie am Kamm hängen, so daß wir jetzt Sonnenschein, Landschaft und Aussicht genießen können.

Schesaplanahütte - Garschinahütte

Der nächste Morgen begrüßt uns wieder mit einem strahlend blauen Himmel. Heute haben wir nicht viele Höhenmeter, dafür aber Strecke. Der Morgen ist wieder sehr angenehm. Aber wir sind auf der Südseite unterwegs und Schatten wird es hier kaum geben. Unser Vorankommen können wir an Abzweigungen von Wegen in den Gebirgsstock ablesen. Die Markierungen am Weg sind hier alle ganz weiß und neu. Später haben wir dann die Markierungsmaler bei ihrer Arbeit angetroffen. Weiter auf unserem Weg stoßen wir auf einen Wegweiser, der unseren Weiterweg anders anzeigt, als es unsere Karte angibt. Mit Hoffnung auf eine Erfrischung auf der Golrosa Alpe entscheiden wir uns entgegen der Ausschilderung für die südlichere Variante. Aber leider gibt es hier keine Bewirtschaftung mehr; uns bleibt nur die Erfrischung am kühlen Wassertrog. Bald wird klar, warum der Weg jetzt anders ausgeschildert ist als auf der gerade erst erworbenen Karte: hier ist ein ganzes Stück Hang abgerutscht. Wir genießen die tollen Aussichten und später die Quelle unterhalb des Schweizer Tores. Im Aufstieg danach befinden sich am Weg riesige helle Kalkfelsen durchsetzt von Grün und gerade noch blühenden Alpenrosen. Danach wird es wieder eintöniger und die Sonne wird immer heißer. An einem steilen Hangstück finden wir endlich etwas Schatten, aber er ist klein und wir müssen „übereinander“ sitzen. Der Weiterweg zieht sich in die Länge.

Am Nachmittag erreichen wir die Garschinahütte, wo wir sehr freundlich empfangen werden. Es ist hier sehr windig und trotz des Sonnenscheins draußen nur bedingt gemütlich. Außerdem hatten wir eigentlich schon genug Sonne.

Abends können wir über der zentralen Schweiz noch ein spektakuläres Wetterleuchten sehen, aber auch hinter uns in Österreich grummelt und blitzt es.

Garschinahütte - Tilisuna-Hütte

Unser Weg zur nächsten Hütte ist nicht so lang und daher wollen wir noch einen Abstecher auf die Weißplatte zu machen. Auf diese Tour sind wir erst kurz vor unserem Urlaub gestoßen, haben keine Tourenbeschreibung mit. Der Berg soll nicht so schwierig, aber weglos sein.

Auf unserem Weg um die Sulzfluh herum, haben wir gleich zweimal das Glück, Murmeltiere ganz aus der Nähe zu sehen. In dem Karstgebiet zwischen Sulzfluh und Weißplatte machen wir Rast. Almut will nicht mit auf den Gipfel, wir anderen wollen es versuchen, aber unsere Rucksäcke wieder unten lassen.

Wir steigen auf zum Grubenpass und gehen dann noch ein Stück Richtung Plasseggen; einen Hinweis auf einen Abzweig finden wir hier nicht. Es geht erst einmal über die grünen Wiesen bergan in Richtung Grat, wo der Weg ungefähr verlaufen soll. Dort stoßen wir dann auch auf Steinmännchen. Es werden weiter oben auch immer mehr, aber es ist kein direkte Weg oder eine Spur zu erkennen. Das Karstgelände ist unübersichtlich und enthält immer wieder Kletterstellen oder Höhenunterschiede, wo wir nicht weiterkommen. Die Wegfindung kostet uns viel Zeit. Auf einer Schulter wird es zeitweilig besser, da hier eine Erdauflage vorhanden ist. Von hier aus hat man schon eine tolle Sicht. Leider haben wir weder Wasser noch Proviant mitgenommen, nur Angelika hat noch einen Apfel, den sie mit uns teilt. Manfred, Angelika und ich beschließen, wieder umzukehren. Das scheint uns unter diesen Bedingungen in der brennenden Sonne das Vernünftigste zu sein. Nur Erika und Uwe wollen noch auf den Gipfel. Später berichten sie uns dann, daß von da an der Weg besser wurde und auf dem Rückweg hätten sie sich direkt auf dem Grat gehalten, wo sie auch besser vorangekommen sind, und seien letztlich direkt am Grubenpaß herausgekommen.

Die meisten von uns nutzen noch die Möglichkeit für ein Bad im nahe gelegenen Tilisunasee.

Tilisuna-Hütte - Lindauer Hütte

Das Wetter ist nicht mehr so schön wie in den letzten Tagen, es wird heute wechselhaft und kann auch regnen. Somit werden wir keinen der evtl. möglichen Gipfel (Sulzfluh oder Tschaggunser Mittagsspitze) besteigen. Als Route haben wir die schönere Variante über den Schwarzhornsattel und den Tobelsee gewählt. Dieser ist wirklich toll. Angelika und Uwe genießen noch einmal das Wasser und wir anderen den Rest der Landschaft. Auf unserem Weiterweg zur Lindauer Hütte müssen wir doch noch einiges wieder aufsteigen. Oben angekommen prangt auf  einem Holzschild der Name „Grünes Egg“. Im ersten Moment komme ich mir vor, als will man mich veralbern; das Rätikon ist ja insgesamt sehr grün, aber nun gerade dieses Eck ist karg und hat so gar keinen Bewuchs. Aber das Gestein hier ist sehr dunkel und hat durchaus einen grünen Schimmer. Es ist Serpentin, wie wir später erfahren, auf dem die meisten Pflanzen nicht gedeihen können.

Etwas weiter treffen wir dann auf den Bilkengrat, der uns in unzähligen Kehren nach unten führt. Das Wetter wird schlechter und wir eilen zur Lindauer Hütte, wo wir uns am Kaiserschmarren stärken können.

Angelika und Uwe entdecken den Alpingarten der Hütte, wo wir am Abend noch an einer wirklich interessanten (kostenlosen) Führung teilnehmen.

Lindauer Hütte - Totalphütte

Der Himmel ist grau und verhangen. Wir brechen im Nebel auf. Der Weg steigt langsam bergan. Erst kurz vor dem ersten Joch reißt es auf, so daß wir wenigstens zeitweise die stolzen Gipfel neben uns bestaunen können. Aber es ist kühl und an eine gemütliche Rast ist nicht zu denken. Unten am Schweizer Tor haben wir Sicht auf die Wolkendecke in den Schweizer Bergen. Auch das kommende Wetter sieht nicht wirklich gut aus. Zudem pfeift hier ein kräftiger Wind; also wieder keine Pause. Auch etwas weiter gibt es keinen Windschutz, statt dessen fängt es bereits an zu tröpfeln. Teilweise bereits in Regenzeug geht es bei starken Böen weiter zum nächsten Joch und hinab in Richtung Lüner See. Als der in Sichtweite kommt, bricht noch einmal die Sonne durch und der Wind vergönnt uns einen Moment Ruhe. Da wir schon einige Stunden unterwegs sind, ist nun endlich die Zeit für eine Pause gekommen. Alle wollen sie gleich an Ort und Stelle machen, nur ich gehe weiter, da doch hinter der nächsten Ecke eigentlich eine Alpe kommen soll. Hier sehe ich dann auch Tische, Bänke und Leute. Bei heißer Schokolade und Kuchen kann ich mich entspannt an die Hütte lehnen. Die anderen kommen nur wenige Minuten später um die Ecke; an ihrem Pausenplatz sind sie von einigen neugierigen Kühen bedrängt worden. Hier an der Alpe lassen wir es uns eine Weile gut gehen.

Der Lüner See hat ungewöhnlich wenig Wasser. Wir erfahren, daß es für Reparaturarbeiten im Frühjahr ganz abgelassen wurde. Der fast leere Stausee erinnert ein wenig an eine Mondlandschaft.

Beim Aufstieg auf die Totalphütte holt uns das angekündigte Schlecht-Wetter ein. Es beginnt zu regnen. Der Weg ist aber gut ausgebaut und so geht jeder den Weg in seinem Tempo bergan. Auf der Hütte gibt es dann erstmal eine heiße Suppe.

Totalphütte - Schesaplana - Mannheimer Hütte

Die Wettervorhersagen sind nicht gut, es ist draußen nebelig, ab mittag soll es regnen. Der Weiterweg wird nun zudem alpin und von der Mannheimer Hütte gibt es keinen wirklich leichten Abstieg. Lediglich die Aussicht auf gutes Wetter morgen, läßt uns den Entschluß fassen, zur Mannheimer Hütte aufzusteigen.

Der Weg hat einen deutlich anderen Charakter, es geht über Schotter, Gestein und Fels bergauf. Man muß gut auf die Markierungen achten und trotzdem kommt man stellenweise leicht mal vom „Weg“ ab. Uns kommen zwei Bergsteiger entgegen, die ihren Aufstiegsversuch auf die Schesaplana abbrechen. Weiter oben liegt noch Schnee und mit ihren Schuhen (Qualität Turnschuh) kämen sie dort nicht weiter. Mit komischem Gefühl steigen wir weiter auf – mal sehen, was uns noch erwartet. Der Weg ist teilweise seilversichert, was bei dem feuchten Wetter nicht schlecht ist. Dann kommen wir an das Schneefeld. Es ist eigentlich sehr klein, liegt aber genau über dem Weg. Das Gelände ist hier schon sehr steil und die Stelle muß mit äußerster Vorsicht umgangen werden. Wir haben es geschafft und stehen auf dem Grat, der zum Gipfel hochzieht. Just in diesem Moment reist der Nebel auf und gibt uns den Blick auf das Gipfelkreuz frei. Da wir nur noch wenige Minuten unterhalb sind, wollen wir zum Gipfel, auch wenn wir heute gar keine Sicht haben.

Beim Abstieg muß man vorsichtig sein, aber wirklich schwierig ist es nicht. Da wo es dann wieder horizontal weitergeht, konnte man früher direkt über den Gletscher zur Hütte gehen. Der neue Weg führt auf dem Grat über die Schafköpfe außen herum und wir brauchen hierfür doch eine ganze Menge Zeit; zumal es teilweise auch noch viel Schnee hat. Daher können wir uns nicht immer an die Markierungen halten. Einmal haben wir sie verloren und müssen richtig suchen. Im Nebel ist keine andere Orientierung möglich, als sich auf die teilweise unterschiedlichen Markierungen zu verlassen. Beim Schafloch angekommen, wissen wir, daß wir das Schwierigste geschafft haben. Nun geht es nur noch über die Gletscher hinab. Hier macht es richtig Spaß. Leider kommt nun der für mittag angekündigte Regen und die nächste halbe Stunde sorgt dafür, daß wir alle wieder naß werden. Aber dafür gibt es wieder eine heiße Suppe auf der Hütte. Den Nachmittag können wir hier entspannt vertrödeln.

Mannheimer Hütte - Abstieg nach Brand

Die Wettervorhersage paßt und wir haben strahlenden Sonnenschein am nächsten Morgen. Der Blick auf Schesaplana und Brandner Gletscher sind frei. Der blaue Himmel über Fels, Eis und Schnee bietet schon einen tollen Anblick. Trotzdem können wir nicht lange verweilen, da wir einen langen und nicht ganz leichten Abstieg vor uns haben. Der Leibersteig führt als schottriger Steig mitten durch eine Felswand. Man hat viele hundert Meter freien Tiefblick. Die schwierigsten Stellen sind gut gesichert. Allerdings liegt auch hier stellenweise der eigentliche Weg noch unter Schnee. Langsam und uns gegenseitig helfend kommen wir sicher tiefer. Nach zwei Stunden Abstieg ist die Oberzalimhütte erreicht. Hier genehmigen wir uns einen Kaffee. Von hier aus geht der Abstieg auf einer breiten Fahrstraße weiter. Weiter unten können wir noch mal einen Wanderweg wählen. So kommen wir auf unserem 1350 Höhenmeter-Abstieg gut voran. Auch diejenigen mit häufigeren Knieproblemen kommen gut unten im Tal an, was wahrscheinlich daran liegt, daß die Teile des Abstieges so unterschiedlich sind und es nicht zu einseitigen Belastungen kommt.

Gegen Mittag sind wir im Tal, es ist noch Zeit für eine Jause bis der Bus kommt, der uns nach Bludenz bringt. Von hier aus kommt man mit der Bahn problemlos wieder nach Nenzing zurück, wo unsere Autos stehen.

Wir haben eine erlebnisreiche Woche hinter uns, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 Susanne Bartelt